Tag 37-39: 48 Stunden auf dem Atlantik. Frei und doch gefangen.

Guten Tag liebe Leute


Der Tag an dem wir die Tintenfische versuchten, neigte sich langsam dem Ende zu. Ich sass noch gemütlich auf dem Bug des Schiffes und träumte ins Meer hinaus. Da sah ich plötzlich Bewegung im Wasser. Und da waren sie wieder. Ich schrie nach hinten zu Vanessa." Delfine Delfine", da ich wusste wie sehr sie sich freute Delfine zu sehen. Wir schauten der Schule zu, und wir dachte sie hätten sicher auch mal Freude an gekochtem,gewürztem Tintenfisch. Wir warfen die Stücke vor den Bug, und es war ein unglaubliches Spektakel was die lieblich dreinschauenden Fische veranstalteten. Das Teller leerte sich und so schwammen auch die Delfine ihres "Wassers".



Der Wind frischte auf und wir konnten den Motor abstellen und machten unter Segel 6-7 Km/h Fahrt. Ich legte mich nach einem erlebnisreichen Tag, zufrieden in meine Box zum schlafen. Der Schlaf war nicht sehr tief da das Meer nicht mehr so ruhig war. Vanessa weckte mich so um 24.00 Uhr, und legte sich danach in ihre Box zum wohlverdienten Schlaf. Der Wind hatte weiter zugelegt, und wir rauschten nur so dahin. Zugleich entfernten wir uns langsam von der marokkanischen Küste,und nahmen Kurs Richtung Canaren.



Ich rollte das Fock gut zur Hälfte ein, da der Druck auf das Rigg sich weiter verstärkt.


So gegen 08.00 Uhr am nächsten Morgen weckte ich Vanessa auf, und bat sie die Schwimmweste anzuziehen. Sie schaute mich etwas komisch an, und ich deutete auf das Meer das weiter an Wind und Wellen zugelegt hatte. Sie kochte danach Wasser mit dem Wasserkocher und es gab einen heissen Kaffee.



Ich fragte so beiläufig nach dem Strom von der Batterie und Vanessa antwortete mit Schrecken nur noch 3 Prozent. Ich war geschockt, denn die Selbststeueranlage würde sich demnächst ausschalten. Bei diesem Wind und diesen Wellen wäre die Steuerung von Hand nicht gerade einfach. Wir starteten sofort den Motor um Strom zu laden, doch irgend etwas stimmte nicht mit dem Kabel. Ich war am austicken und schrie herum. "Warum ladet es nicht". Ich zog den Stecker immer wieder heraus und befeuchtete in schliesslich mit dem Mund, und siehe da es ladete. Vanessa setzte sich vor die Batterie, und lies sie die nächste halbe Stunde nicht mehr aus denn Augen, bis sie wieder auf 15 Prozent war und wir erleichtert aufatmeten. Das umstellen von der Selbststeueranlage zur Handsteuerung ist nicht sehr einfach und würde bedeuten das wir etwa eine Minute ohne sichere Steuerung wären und das Schiff sich quer zu den Wellen drehen würde. Bei dem momentanen Wellengang wäre das ziemlich gefährlich. Im Laufe des morgens nahm der Wind immer mehr zu und es begann in den Wanten zu pfeifen. Vanessa die sich anschickte, etwas zu kochen,verräumte den Gaskocher wieder, und wir begnügten uns mit Knäckenbrot und Marmelade. Nachdem die Batterie zu 75 Prozent geladen war stellte ich denn Motor wieder ab. Die Steueranlage war jedoch ohne die Hilfe des Motors nicht mehr in der Lage das Schiff gerade zu steuern. So liessen wir den Motor sofort wieder an,da sich das Schiff schon unkontrolliert und quer zu denn Wellen bewegte. Die Wellen und der Wind hatten während des morgens weiter zugelegt. Ich fragte Vanessa was sie zuletzt auf der Wetterprognose am Vortag gesehen hatte und ob sie etwas von diesem Sturm gesehen habe? Sie sagte,das es schon etwas stärker angezeigt hätte, aber nichts gefährliches. Wir wahren aber schon zu lange offline da wir uns schon sehr von der Küste entfernt hatten. Weit über 150 Kilometer. So wussten wir auch nicht was uns in den nächsten Stunden auf dem aufgewühlten Meer erwartete. Sollten wir abdrehen Richtung teils unbewohnte Küste an denen sich die mächtigen Wellen brachen, oder Richtung Canaren die aber immer noch ca. 250 Kilometer entfernt lagen.



Wir beschlossen langsam Richtung Küste von Marokko abzudrehen. So segelten wir die nächsten Stunden Richtung Südosten gegen die marokkanischen Küste ins ungewisse und eventuell in meterhohe Brandungswellen, oder einen sicheren Hafen. Die sturmgepeitschten Wellen hatten in der Zwischenzeit teilweise eine Höhe von runden 5-6 Metern erreicht. Das schlimme war das sich die Wellenberge auch noch brachen und die weissen Schaumkronen auch noch einen halben Meter erhöhte. Wir beide schauten angstdurchströmt in die Ferne, von wo die Wellenberge angebraust kamen, und hofften wenn wir hoch oben auf einer Welle waren eine Beruhigung hinter uns auszumachen.



Leider sahen wir auch weit hinter uns nur die riesigen Schaumkronen die sich in unsere Richtung bewegten. Wir konnten nicht glauben was da mit uns passierte. Wir klammerten uns überall wo es nur ging fest. Ich versuchte Vanessa Mut zu machen, musste dann aber ehrlich sein, und die Rettungsinsel für den Notfall bereit machen. Ich sagte Vanessa auch sie solle Wasser und Essen für ein paar Tage einpacken und an der Rettungsinsel befestigen. Sollte irgendend etwas in diesen Momenten wie Ruder, Mast, oder Schiffsrumpf brechen gäbe es eine Katastrophe. Sicher unser Schiff würde nicht sinken da es aus 18 Luftkammern bestand aber würden wir uns bei diesem Wellengang darauf festhalten können.






Das Schiff, das ein Eigenbau von mir, und der Hilfe von Andreas Kindlimann war, verhielt sich trotz dieser unglaublichen Belastung stabil im Wasser. Es nahm die Wellen die hinter uns angerollt kamen mit erfreulich viel Stabilität. Es hielt den Bug hoch in die Luft, um dann rückwärts in das nächste Wellental runter zu gleiten, und dann wieder ein Stück vor der Welle zu surfen. Manchmal brachen die Wellen gerade hinter uns und dann gab es nur noch diesen beängstigenden Augenblick und das warten das sich das Schiff wieder aufrichtete und nichts brach. Langsam neigte sich der Tag dem Ende zu und wir hielten uns an den Händen und fragten uns, wie wir diese Nacht überstehen würden.



Leider wusste ich selbst nicht, ob wir das alles gut überstehen würden. Ich stand zu diesem Zeitpunkt schon 20 Stunden auf denn Beinen,festgekrallt links und rechts am Steuerhaus, bereit sollte etwas passieren, Vanessa und mich irgendwie zu retten. Die Nerven waren bis zum zerreissen gespannt. Zwischendurch mussten wir gemeinsam den Benzintank befüllen,was normalerweise einfach zu erledigen war, jetzt jedoch mit einem 20 Liter schweren Kanister wurden wir beide durch das Steuerhaus geschleudert. Mit meiner ganzen zur Verfügung stehenden Kraft brachte ich es irgendwie fertig wenigsten 2 Drittel des Kanisters in den Tank zu füllen. Ich entschuldigte mich ernsthaft beim Meer, das es uns nicht böse sein soll, weil ich es mit 7 Litern Treibstoff verschmutzt habe. Danach klammerte ich mich wieder am Steuerhaus fest und versuchte in der stockdunklen Nacht etwas zu erkennen. Mir schmerzten die Hände und die Schultern. Am nächsten Tag fragte mich Vanessa ob ich diese Steuerhausverstrebungen so umgebogen habe.Aua leider ja!!! Doch die absolut längste Nacht, meines und Vanessa's Leben war noch lange nicht vorbei.In der Zwischenzeit hatten wir gemeinsam und nach langem Abwägen entschlossen, zu versuchen doch noch die Canaren zu erreichen,da wir dort hinter eine der Inseln Segeln könnten und in relativer Sicherheit wären, während wir an der Marokkanischen Küste die gewaltigen Wellen und vielleicht keinen geschützten Hafen fänden. Der GPS zeigte uns noch über 200 Kilometer. Die nächsten Stunden richtete ich meine Augen auf diese Zahl, die sich nach jeden 100 Meter verkleinerte. Wie sollten wir das nur aushalten. Manchmal schaltete ich diese Zahl aus um sie nach ewig langen 2 Stunden wieder einzuschalten und dann festzustellen das wir 19 Kilometer näher am sicheren Ziel waren. Vanessa hatte sich hinter mir auf der Bankskiste in den Ecken gedrückt um jedesmal aufzuschrecken wenn das Schiff wieder in ein steiles Wellental absackte. Die Minuten und Stunden vergingen im Schneckentempo. Mitternacht vorbei. Noch runde 8 Stunden bis es ein wenig heller würde. Und immer noch heulte und tobte es um uns herum. Der rechte äussere rote Schwimmer der zum stabilisieren des Schiffes gedacht war, hatte der Belastung nicht mehr standgehalten, und war einfach vom enormen Wasserdruck nach hinten abgeknickt und geplatzt. Er hing aber immer noch an verschiedenen Zurrgurten. Vanessa sagte ich nichts um sie nicht weiter zu beunruhigen. Von jetzt an,jedesmal wenn das Schiff in der dunklen Nacht nach rechts abkippte, verlagerte ich mein Gewicht nach links und hoffte das sich das Schiff wieder aufrichtete. Nicht auszudenken wenn mit dem äusseren langen grauen Schwimmer etwas wäre.So leuchtete ich immer wieder mit unsrer Handlampe nach dem Schwimmer der jedoch stabil in der Halterung klemmte.



Zum Glück hielten die Schweissnähte bis auf eine, dem Druck stand. Dort wo eine Schweissnaht riss konnte ich mit meinen groben Spanngurten die Stelle wieder festmachen, bevor sich die Metallverstrebung in den grossen Schlauch bohren konnte. Wir kamen dem Ziel langsam aber stetig näher. In der Zwischenzeit hatte auch der linke rote Schwimmer aufgegeben, war nach hinten gebogen worden, und geplatzt.Noch 60 Kilometer,bis zur obersten kleinen Insel der Canaren. Noch runde 7 Stunden. Ich entschied die erste unbewohnte Insel anzusteuern,da ich nur noch in Sicherheit wollte und der wilden See entfliehen. Es gäbe dort sicher eine geschützte Bucht. Doch schon beim anfahren sah ich nur steile Felsen und überall Brandungswellen. Ich fluchte und tobte,in meiner Verzweiflung doch es half alles nichts wir mussten wieder weg von der vermeintlich sicheren Insel. Vanessa errechnete, zu unserem grossen Glück, in der Zwischenzeit mit 16 Kilometer die Distanz zum nächsten Hafen auf der südlicheren, jedoch bewohnten Insel und machte klar das sie nicht noch eine Nacht auf dem Schiff schlafen will. Wir waren seit Gibraltar Nonstop Tag und Nacht gefahren und seit fast einer Woche nicht mehr an Land gewesen. Zum Glück habe ich Dich dabei Vanessa.Wir setzten wieder das Focksegel und machten uns auf den Weg. In der Zwischenzeit war es hell geworden und wir sahen die unglaublichen faszinierenden vulkanischen Inseln. Die Überfahrt gestaltete sich ruhiger da wir uns im Windschatten der ersten Insel befanden. Endlich sahen wir vor uns, nach 2 weiteren Stunden den sicheren Hafen. Ich drehte mich zu Vanessa um und umarmte sie lange. Als wir uns im Hafen festmachen wollten kam ein Sekuritasmann und deutete zu Vanessa das kein Platz im Hafen frei wäre. Ich konnte nicht glauben was ich sah und streckte meinen Kopf zum Steuerhaus raus. Auf einmal stockte der Motor und liess sich nicht mehr in Gang setzen. Da der Wind im offenen Hafen immer noch gewaltig zog setzten wir Anker,doch es war zu spät und wir trieben auf ein festgemachtes Schiff zu. Wir versuchten verzweifelt uns daran festzuhalten ohne etwas zu beschädigen. So machten wir sehr unglücklich ein Seil am Schiff irgendwie fest. Allerlei Leute fanden sich ein, und auch der Sekuritasmann baute sich wieder auf,und bedeutete uns das wir hier nicht bleiben können.Der Grund warum der Motor versagte, war ein Seil das sich um die Schraube gewickeit hatte. Mit Mühe und Not befreite ich die Schraube von dem Seil. Der Sekuritasmann liess sich dann doch von uns, und verschiedenen Leuten umstimmen,die unseren Zustand erkannten, und gaben uns einen Platz weiter hinten in der Marina. Wir müssten aber die seitlichen Ausleger abmontieren die jetzt sowieso nichts mehr nützten. Beim Ablegemanöver fing jedoch der Motor an abzustreben und stoppt daraufhin komplett. Wieder versuchten wir uns verzweifelt an einem riesigen Katamaran festzuhalten, doch der Wind war zu stark. Wir wurden immer schneller und donnerten mit unserem Vorsteven in ein anderes Schiff dem es die Reeling verbog. Mit vereinten Kräften konnten wir das Schiff schliesslich festmachen. Ich bedeutete dem Securitas Mann das ich hier nicht mehr wegfahren könne und wolle. Er liess uns daraufhin gewähren, wolle aber alle meine Dokumente sehen und genauestens konntrolieren,was er darauf hin auch tat. So machten Vanessa und ich unsere ersten noch etwas wackeligen Schritte auf festem Boden. Eine unglaubliche Erleichterung machte sich in uns breit. Wir hatten gemeinsam dem Sturm getrotzt, und gekämpft,und ihn überstanden. Mit der Hilfe einer jungen Frau fand Vanessa ein günstiges Zimmer für uns. Ich umarmte Vanessa noch einmal, und wir machten uns auf, um etwas warmes zu Essen und die wohlverdiente Dusche zu geniessen.Es kam uns beiden vor, wie neu geboren zu sein. Kaum auf dem Bett fiel ich in einen tiefen Schlaf. "Was ich in dieser Nacht träumte schreibe ich hier besser nicht auf." Ich sage nur soviel:"die Träume hatten ziemlich viel mit Wasser zu tun!"


Gute Nacht wünschen Euch

René und Vanessa im sicheren Hafen,

und um eine wichtige Erfahrung für

diese Reise reicher.




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